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MiniundMami
GEDANKEN LIFE

Vom Anfang bis zum Ende

Es gibt Tage, da weiß ich nicht was ich zuerst machen soll, weil so vieles zutun ist. Einkaufen, Wäsche waschen, bügeln und die Berge an Wäsche wieder in die Schränke räumen. Die Spülmaschine piept, der Müll quillt über und unter dem Tisch kann man noch genau begutachten was es zum Frühstück und zum Mittagessen gab. „Mama, liest du mir was vor!? Bitte!“ Im Tragesling sitzt der kleine Bruder und auch der ist gerade sehr müde. Genau genommen ist er schon zu müde, zu müde um ohne längeren Knatsch einzuschlafen. „Gleich, mein Schatz, ich bin gleich bei dir!“ Er ruft zurück: „Nein, Mama, jetzt! Bitte jetzt!“ Ich hoffe, dass der kleine Mann gleich einschläft, nehme den großen Sohn in den Arm und versuche zu erklären das wir ganz kurz abwarten müssen, bis sein Bruder schläft und ich dann ganz für ihn da bin.

„Aber Mama, früher da hattest du nur mich lieb!“ sagt der Sohn und es dauert nur Sekunden, und schon schießen mir die Tränen in die Augen. Wir lesen anschließend viele Bücher, wir singen, wir bereiten zusammen das Abendessen zu, wir lachen, wir sehen das Sandmännchen. Erst jetzt, als du schläfst, versuche ich meine Gedanken zu ordnen und dir ein paar Zeilen zu schreiben, die ich dir ab heute am liebsten jeden Tag vorlesen und sagen würde. Heute, Morgen, die nächsten Jahre und darüber hinaus…

 

Mein liebes Kind,

du hast mein Leben grundlegend verändert und du bist der größte und stärkste Einfluss meines Lebens. Früher saß ich gerne stundenlang in schicken Cafes und tollen Kneipen, habe Cappuchino, Tee und den ein oder anderen Cocktail getrunken und gerne gut und augiebig gegessen. Wir saßen an vielen Abenden am See und haben uns die Sonne ins Gesicht scheinen lassen. Ich liebte es mit deinem Papa Filme zu sehen, Abends Bücher zu lesen, gemütlich zu frühstücken, zu kochen, ganz ausgiebig ohne Zeitdruck. Spontan wegfliegen, Neues sehen, einfach Hineinleben in den Tag.  Die Zeit mit Freunden, das sorgenfreie Leben fehlt mir manchmal.Wie schön wäre es doch nicht alles planen und organisieren zu müssen  und einfach zu schauen was passiert.

Als ich mit dir schwanger war, dachte ich, es würde sich nicht viel ändern. Natürlich, würde die Zeit mit deinem Papa, mit Freunden und die Zeit für mich weniger werden. Schlafmangel – das halte ich aus, dachte ich, dass habe ich schließlich in den vielen durchgetanzten Nächten bewiesen.

Und dann kamst du, du kleines zartes Wesen, mit den wissbegierigen und leuchtenden blauen Augen, das mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt hat. Du kleines Wunder, was meine Nächte so unglaublich kurz macht und meine Augenringe so wahnsinnig groß. Du zauberst diese Liebe in mir hervor, die mich so unglaublich weich macht, dass ich bei nahezu jedem Film irgendeinen Grund zum heulen finde. Du, dass pure Glück, das mir gezeigt hat wie unendlich Liebe wachsen kann und welche intensiven Gefühle man für jemanden empfinden kann.

Schon das erste Ultaschallbild haben Gefühle in mir hervorgerufen, die ich gar nicht in Worte fassen kann. Das erste Flattern und das Gefühl von Schmetterlingen in meinem Bauch, bei deinen ersten Bewegungen. Das Herzklopfen als ich dein Herz zum ersten mal schlagen gehört habe. Diese unglaubliche Wärme, als du mir auf die Brust gelegt wurdest, die sich ausbreitete auf meinen Körper, als würde ich vor lauter Liebe brennen. Und doch war diese Liebe am Anfang so zart, so vertraut, als würde man jemanden sehen, denn man schon seit Ewigkeiten kennt. Und dann beginnt diese Liebe noch zu wachsen? Doch wohin? Wie sehr kann man einen Menschen den noch lieben?

Du machst meine Ängste und Sorgen so groß und doch so klein. Du zeigst mir, was wirklich wichtig ist, an welchen Dingen ich festhalten muss und von welchen ich mich verabschieden kann, weil sie nicht mehr zu meinem, zu unserem Leben passen.  Ich bin sanfter geworden, nachdenklicher, ich hinterfrage viel mehr wie früher.

Aber ich lache auch mehr, mit dir und über mich. Wir lachen über Dinge, über die ich vor deiner Geburt niemals gelacht hätte. Ich lache weil du lachst, weil du kicherst und dich am Leben freust. Und Ich freue mich über das Leben, weil du mein Leben so unglaublich bunt machst. Voller Farben, voller Dinge die ich nur sehe weil du sie mir zeigst. Weil du das Leben aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtest, weil du stehen bleibst und dir diese Dinge ansiehst. Weil du die Welt und die Dinge um dich herum bestaunst. Weil es für dich so viele kleine Wunder gibt, die Ich manchmal schon gar nicht mehr sehe.

Weil ich so oft gestresst bin, weil ich den Kopf voller Dinge habe die noch zu erledigen sind, weil ich kochen muss, weil ich diese Berge an Wäsche sehe, weil ich noch bügeln muss, weil die Spülmaschine piept… Danke das du mich von Zeit zu Zeit wachrüttelst mein Kind, und mir damit klar machst, was wirklich wichtig ist.

Ich schließe dich in meine Arme, drücke dich an mich, streichle dir über deinen süßen Wuschelkopf und bin ganz bei dir. Du bist mein Kind, wirst es immer sein. Ich versuche dir Wurzeln zu geben und Flügel. Flügel die du irgendwann ausspannen wirst und nach ersten zögerlichen und ängstlichen Flugversuchen, werde deine Strecken immer weiter werden. Du wirst lernen für dich selbst zu sorgen und irgendwann kommt der Tag an dem du unser Nest verlassen wirst, auch wenn ich das vielleicht nicht will. Ich werde dich ziehen lassen und du wirst ein eigenes Nest bauen. Aber du kannst dir sicher sein, ich bin deine Mama und werde es immer sein. Ich bin bei dir, vom Anfang bis zum Ende…

 

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5 Comments

  • Reply
    Tafjora, einmal Frankreich und zurück
    März 4, 2016 at 8:42 pm

    Das ist so schön geschrieben und trifft es auf den Punkt, vielen Dank dafür!!!!
    Ich habe mich so oft wieder gefunden in Deinen Zeilen! Es ist so wichtig, dass wir uns dessen immer wieder erinnern, dass die Zeit auch so schnell vergeht, wo sie uns wirklich so brauchen. Lassen wir den Geschirrspüler eben mal piepsen, was soll’s. <3
    Lieben Gruß
    Tanja

  • Reply
    Conny F.
    März 4, 2016 at 9:31 pm

    Oh Gott, jetzt kullern mir dicke Tränen die Wangen herunter. Du sprichst mir so aus der Seele. Wir erwarten gerade unser zweites Kind und ich mache mir solche Gedanken, dass mein Großer sich dann nicht mehr geliebt vorkommt. Dabei habe ich so viel mehr Liebe in mir als er alleine ertragen könnte. Und ich versuche mir so viel Zeit wie möglich für ihn zu nehmen und auch mal den Haushalt Haushalt sein zu lassen. Denn unsere Schätze werden so schnell erwachsen. Eben liegt er noch zum ersten Mal auf meiner Brust und im nächsten Monat wird er schon zwei Jahre alt. Vielen Dank für deine tollen Zeilen.

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    anne
    März 5, 2016 at 9:34 am

    Mein zwergi ist jetzt 10monate und es fühlt sich so an als ob ich das alles geschrieben habe!! Die zeit vor dem baby die zeit in der ss die anfangs und babyzeit kann ich definitiv unterschreiben und ich möchte meinem aller größten schatz die wurzeln und flügeln geben die er braucht… so schön ist dieser text in worte gefasst danke für das spiegeln meiner gefühle! Ich hatte beim lesen tränen in den augen… <3

  • Reply
    stef
    März 5, 2016 at 9:50 pm

    Genau das war mein Tag gestern. Schön zu wissen dass es nicht nur mir so geht. Schön dass so ein Tag scheinbar normal ist. Auch wenn es weh tut.

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    Nicole
    April 29, 2016 at 7:58 pm

    Du schreibst mir aus der Seele bin gerade genau in der gleichen Situation. Mein großer hat vor 5 Monaten einen kleinen Bruder bekommen. Er liebt ihn heiß und innig, doch ich merke manchmal aus dem Augenwinkel wie er mich anschaut wenn ich gerade das Baby wickel und er dann extra sagt Mama Du musst mich anziehen obwohl er es doch alleine könnte…Nur dass ich ja auch ihn umsorge…Dann nehm ich mir auch egal wie lang der Tag war extra Zeit und wir lesen, machen Blödsinn und kuscheln…Oder ich liege mit dem Baby im Bett und stille….Der Große kommt mitten in der Nacht ins Bett und kuschelt sich auch neben mich…..Hilfe ich liege auf kleinstem Raum im Bett eingeengt von jeder Seite…..Aber egal!Die Liebe zu den Kindern ist verdammt unendlich und unglaublich schön….Man müsste die Zeit festhalten können…Es wird gaaaaanz schrecklich wenn sie groß werden und ihre eigenen Wege gehen….gerade Jungs sind ja meistens später aus dem Haus und leben ihr eigenes Leben….Klar es gibt Ausnahmen….Mädels gehen später noch eher mit der Mama shoppen oder unternehmen andere Dinge….Naja aber das ist ja noch ein Weilchen hin….jetzt heißt es erstmal genießen….

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