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Mütter und ihre Jobs: Sonja Alefi von der LittleTravelSociety

Immer auf der Suche um uns das Leben/ das Reisen leichter zu machen! Frisch, lebendig, voller Schaffenskraft und guter Ideen, das ist Sonja Alefi, die Gründerin der LittleTravelSociety. Nach dem ersten Kind wurde Ihr schnell klar: mit Kindern sehen Reisen etwas anders aus als vorher. Da packt man nicht schnell mal ein paar Klamotten in den Rucksack und löst ein spontanes Zugticket. Mit ihren Erfahrungen und Vorschlägen für tolle, familienfreundlichen Unterkünfte in hübschen Ferienwohnungen bis hin zu stylischen Berghütten und schicken Boutique-Hotels, finden Familien ohne stundenlanges Suchen geeignete Reiseziele für die ganze Familie. Wie sie so lebt, wie genau es zu ihrer Idee kam und wie sie sich als Mutter von drei Töchtern ihre Zeit organisiert, das könnt ihr jetzt hier lesen…

Hallo liebe Sonja, ich freue mich über dieses Interview! Stell dich doch kurz vor und erzähle was Familie für dich bedeutet!

Hallo, ich bin Sonja und lebe mit meinem Mann und unseren 3 Töchtern (8, 5 und 3 Jahre) in München. Wir sind ein echter Frauenpowerhaushalt – denn wir werden auch noch von 2 Omas unterstützt. Du kannst Dir ja sicher vorstellen, dass es bei uns immer rund geht – oft sind noch Freunde oder Nachbarskinder zu Besuch. Dann rennen hier schon mal fünf bis sechs Kinder durchs Haus. Unsere Familie ist außerdem auch sehr bunt: Mein Mann stammt aus Afghanistan und meine Kinder sind daher zweisprachig und „zweikulturig“. Bei uns gibt’s einen Weihnachtsbaum und Kaiserschmarrn, aber auch kleine Gebetsteppiche und „Espand“ (ein alter Brauch, mit dem man den bösen Blick von Kindern abwendet).

Und wenn es mir mal zu viel wird, weil der Wäscheberg im Keller bereits mannshoch ist, denke ich mir: Mensch, genieß es! Der Tag wird kommen, an dem das Haus wieder leer ist und Du sehnsüchtig an diese Zeit zurückdenkst.

Strandszene

Was hat sich verändert seit du Mama bist?

Leicht ist mir der Übergang von „Frau“ zu „Mama“ überhaupt nicht gefallen. Als Frau muss man ja oft von heute auf morgen seine Freiheit aufgeben. Einer dieser Momente war, als ich mich dabei ertappt habe, dass ich abends mit gespitzten Ohren darauf warte, endlich den Schlüssel meines Mannes im Türschloss zu hören. Einfach, um mal eine Unterhaltung zu führen, die sich nicht in „guguck-da“ erschöpft. Heute, 3 Kinder später, ist das alles kein Problem mehr. Denn ich habe 3 Menschen produziert, die äußerst witzige Alleinunterhalter sind. Das macht richtig gute Laune. Eine kleine Kostprobe gefällig?

Kind 3: „Ich habe angst vor Monstern!“ Kind 2: „Du brauchst keine angst zu haben – die sind ausgestorben“. Kind 3: „Was ist nicht ausgestorben? Sind Kühe ausgestorben?“ Kind 1: „Ja, Kühe gibt’s noch“. Kind 3: „Dann hab ich angst vor Kühen!“

Und das Muttersein hat mich geerdet: Vor allem die kurzen Auszeiten nach jedem Kind haben mir geholfen, aus dem Hamsterrad raus zukommen und mir zu überlegen: Was will ich eigentlich? Den Sprung in die Selbständigkeit hätte ich sonst vielleicht nie gewagt.

Wie kam es zu der Idee von Little Travel Society?

Ich bin schon immer viel und gerne gereist. Das Reisen gehörte jedoch natürlich auch zu den Dingen, die sich verändert haben, als ich Mutter wurde. Ich kann mich noch genau daran erinnern wie ich vor unserer ersten großen Reise nach Bali mit meiner einjährigen Tochter gedacht habe: „Das soll jetzt Urlaub sein?! Hier im Koffer sind statt schicken Klamotten nur Windeln und Hippgläschen.“ Es war dann aber doch fantastisch. Auf Bali war mein Baby der Star und wir sind über sie mit vielen Balinesen ins Gespräch gekommen. Da habe ich gemerkt – Urlaub mit Kindern ist anders und in der Planung komplizierter, es gibt aber keinen Grund, plötzlich auf All-Inclusive mit quitschegelben Rutschen umzuschwenken. Die große Hürde als reisefreudige Familie ist jedoch die Recherche! Es gibt zwar da draußen einige Hotels und Ferienhäuser, die gleichzeitig kinderfreundlich, cool, schick und/oder ökologisch sind – nur sie zu finden, ist oft frustrierend und zeitintensiv. Und die besten Tipps bekam ich am Ende meist von Freunden – denen habe ich wenigstens auch geglaubt. Im Gegensatz zu den vielen Internetseiten mit tausenden Hotels, in denen man angeblich „die Seele baumeln lassen kann“.

Da ich sowieso als ehemalige Investmentmanagerin wahnsinnig Lust hatte, selbst endlich zu gründen, habe ich die Seite Little Travel Society gestartet, auf der ich genau das bündle. Empfehlungen von Eltern für Eltern für schicke kleine Hotels und Ferienhäuser. Qualität vor Quantität und ehrlich sollten die Empfehlungen sein. Little Travel Society erleichtert Familie die Recherche zudem, da ein paar wichtige Familienfakten wie zum Beispiel „Wie viele Kinder passen maximal in eine Zimmer?“ oder „ Gibt es Streichelkatzen?“ beantwortet werden.

Bique Beach Bar - bunt

Was ist deine größte Stärke als Mutter und ist diese dir auch im Job von Nutzen?

Wie alle anderen „Working Moms“ habe ich viele –  ich bin stressresistent, Logistik-Expertin, multi-tasking-fähig und ein Improvisationstalent – und wenn nötig kann ich auch mal gänzlich ohne Schlaf. Ohne uns Familienmanagerinnen bricht doch alles zusammen – wer denkt denn morgens an das Lieblingsstofftier, klebt Pflaster, tröstet, weil die Freundin gemein war und besorgt schnell noch ein Geschenk für den Kindergeburtstag? Wenn wir im Büro ankommen – mal wieder mit Halsschmerzen, die wir natürlich ignorieren, weil wir keinen Fehltag produzieren wollen – haben wir schon einen halben Tag hinter uns und werfen uns schnell in die Arbeit, um bis nachmittags fertig zu werden. Notfalls machen wir die Arbeit nachts fertig. Unser großes Verantwortungsbewusstsein als Mutter übertragen wir doch meistens 1:1 auf den Job. Es sollte mal eine Studie dazu geben – ich bin mir sicher, dass Mütter Deadlines im Job häufiger einhalten als alle anderen. So sind wir nun mal. Ein Kind kann man ja auch nicht auf der Straße stehen lassen, wenn der Kindergarten zu macht. Es ist mir daher ein Rätsel, dass sich in großen Teilen der Wirtschaftswelt noch nicht rumgesprochen hat, dass wir durch das Muttersein unglaublich viele Talente erworben haben, die wir alle ZUSÄTZLICH zu unseren Kompetenzen in den Job einbringen können. Und so lange das noch nicht durchgedrungen ist, gründen wir eben selbst…

Was gefällt dir Besonders an deinem Job?

Wirklich alles (bis auf Verwaltung und Finanzamt und Gerangel mit der Technik).

Wie sieht ein Tag in deiner Familie aus?
 Wie bekommst du alles unter einen Hut?

Ich habe einfach aufgegeben, alles unter einen Hut zu bringen. Manchmal schaut halt hinten und vorne was raus. Um mal Gedanken in Ruhe zu Ende zu bringen – arbeite ich an einem Tag in der Woche den ganzen Tag, sonst mache ich um 15 Uhr Schluss bzw. manchmal Pause bis 20 Uhr. Mir ist es wichtig, dass ich auch mal den Laptop oder das Telefon weglege und ganz für meine Töchter da bin. Wenn es dann aber mal nicht klappt, verkraften sie das auch. Mama arbeitet halt. Ich finde gut, dass sie durch meine Selbständigkeit damit mehr in Berührung kommen wie wenn ich noch angestellt wäre. So wachsen sie ganz natürlich damit auf, dass Muttersein und ein erfülltes Berufsleben sich nicht ausschließen müssen.

In welchen Bereichen holst du dir Unterstützung?

Ohne meine Mutter ginge gar nichts! Wenn die Kinder krank sind oder ich einen wichtigen Termin habe, springt sie ein. Sie hilft auch, die vielen Aktivitäten der 3 Damen nachmittags zu koordinieren. Und ab und zu schaut eine Babysitterin vorbei oder eine andere Mutter hilft mal aus – meine Erfahrung ist, dass sich arbeitende Mütter gegenseitig meist wunderbar helfen. Denn die meisten wissen wohl: Wir sitzen im selben Boot.

Am Meer - bunt

Würdest du den Schritt in die Selbstständigkeit immer wieder wagen?

Ja!!!

Gibt es etwas was Du anders machen würdest?

Nein. Je ne regrette rien. Auch Tiefschläge und Umwege haben ihren Sinn. Zum Beispiel hätte ich gerne von Anfang an zusammen mit anderen gegründet, weil ich fest daran glaube, dass 1+1> 2 ist. Daher war ich im ersten Moment enttäuscht, als nach Gesprächen mit zwei anderen Müttern schnell klar war, dass wir nicht zusammen gründen werden. Ich habe mich aber aufgerappelt und mir gesagt: „Ich fang jetzt einfach mal an. Ich habe sowie ein klares Bild im Kopf wie Little Travel Society aussehen sollte – vielleicht ist es daher sowieso besser, wenn mir erst mal niemand reinquatscht.“ Und nach einem Jahr landete Sabrinas Mail in meinem Posteingang. Da war gleich so ein Bauchgefühl, dass das gut passen könnte. Sabrina ist Marketingexpertin und hat mir auch noch Laura, eine Journalistin vorgestellt, die unsere Runde komplett macht. Und jetzt ist es genau so wie ich es mir vorgestellt habe: Drei Mamas bauen gemeinsam ein Unternehmen auf. Im Nachhinein habe ich daher – bis jetzt (!)- alles richtig gemacht. Und wenn es doch noch schief geht, nehme ich eben all die wertvollen Erfahrungen und stecke sie in ein neues Projekt…

Welchen Tipp hast du für Mütter die unglücklich mit ihrem Job sind und mit dem Gedanken spielen sich selbstständig zu machen?

Macht einfach! Wo Männer zu viel Selbstbewusstsein haben, haben es Frauen oft zu wenig. Dieser „Convidence Gap“  – dieser Selbstbewusstseinsunterschied – hält uns aber klein. Daher habe ich tatsächlich einen eher ungewöhnlichen Tipp: Sucht Euch am besten einen Mann, der Eure Zweifel und Ängste „wegwischt“ und den „Selbstbewusstseinsgraben“ auffüllt. Das kann ein ehemaliger Chef, Arbeitskollege, guter alter Freund oder auch Euer Ehemann sein. Einfach einen, der an Euch glaubt. Bei mir ist es übrigens mein Ehemann. Wir sind uns wirklich nicht immer einig, aber an mich als Unternehmerin glaubt er zu 100% und steht voll hinter mir. Und zum Mutmachen haben ich hier noch einen schönen Artikel aus der ZEIT über gründende Frauen.

…ein letzter Satz von dir?

No risk – no fun!

Fußnagellackkunst an 4 Damen - Nr. 2

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1 Comment

  • Reply
    Chris
    März 28, 2016 at 7:31 pm

    Hut ab, tolle Idee. Aber eine Frage an.Sonja und bitte eine ehrliche Antwort. Würdest du dein Business auch stemmen können ohne Omas? Also „nur“ mit Babysitter und anderen (arbeitenden)Müttern? Das ist mein Knackpunkt. Ich habe eine schwerstkranke Mutter und weit entfernte Schwiegermutter und damit bin ich „draußen“. Und leider finde ich es da frustrierend, wenn andere Frauen eine tolle Sache aufziehen und dann kommt „ohne meine Mutter ginge gar nichts“.

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