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MiniundMami
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(M)ein Kaiserschnitt – ein Geburtsbericht!

…die Schwangerschaft mit meinem großen Sohn verlief gut und abgesehen von kleinen Wehwehchen, wie fiese Rückenschmerzen und ein paar Vorwehen zum Ende hin, ging es mir die ganzen Wochen über gut. Wir waren voller Vorfreude auf unser erstes Kind, das Kind das wir schon so bedingungslos liebten.  Ich freute mich nicht nur darauf, meinen Sohn in den Armen zu halten, zu riechen, zu fühlen, zu streicheln. Ich freute mich auf die Geburt, auf die Herausforderung die mir bevorstand. Die Herausforderung aus eigener Kraft mein Kind auf die Welt zu bringen.

Meine Hebamme bestärkte mich von Anfang an, und in meinem Kopf gab es keinen „anderen“ Weg mein Kind zu gebären. Ich verschwendete keinen Gedanken an einen Kaiserschnitt – so sicher war ich mir, dass mein Sohn ganz natürlich zur Welt kommen wird. Ich wählte als Geburtsort ein kleines und sehr familiäres Krankenhaus in dem ich mich sehr wohlfühlte und war mit der Entscheidung sehr glücklich.

Donnerstag, 03.01.2013

Wir sind bereits 4 Tage über dem Geburtstermin und ich habe wahnsinnige Wassereinlagerungen. Meine Schuhe passen über Nacht nicht mehr und mein Kopf dröhnt, als hätte ich die ganze Nacht durchgefeiert. Ich mache einen Termin bei meiner Frauenärztin – diese schickt mich gleich weiter ins Krankenhaus. Die Hebamme dort redet irgendwas von Schwangerschaftsvergiftung, eine Ärztin nimmt Blut ab, legt mir einen Venenzugang. Ich bin wie benebelt, meine Hände kribbeln, meine Füße sind fast taub. Ich habe Angst und spüre ganz genau, dass jetzt etwas abläuft, worüber ich mir nie Gedanken gemacht habe. Etwas – was ich nie wollte. „Können sie bitte meinem Mann bescheid geben!“ höre ich mich sagen. Wie sehr brauche ich ihn gerade. Eine Person an meiner Seite, die für mich sprechen kann, weil ich gerade zu schwach bin. Eine Person, die vielleicht verhindern kann, was jetzt passiert? Mein Mann der neben mir am besten weiß, was wir uns gewünscht haben. Der Ärzten und Hebammen sagen kann, dass wir uns eine friedliche Geburt für unseren Sohn wünschen. Stattdessen hetzten hier alle durch die Gegend, ich werde nervös. Keiner sagt was. Sie reden miteinander aber nicht mit mir. Ich schlafe ein…

Als ich aufwache liege ich in einem kalten Aufwachraum, habe Schläuche in der Nase. Mein Bauch ist leer. Mein Sohn liegt aber nicht auf mir. Nicht neben mir. Er ist nicht da. Ich fange an zu schwitzen. Habe Angst. Die größte Angst die ich bisher spürte. Angst um meinen Sohn.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt eine Krankenschwester die mich beglückwünscht und mitteilt sie würde auf der Geburtstation bescheid geben, dass ich wach bin. Meinem Sohn ginge es gut.

Die Geburt die ich mir in meinem Kopf so wunderschön und kraftvoll vorgestellt hatte, wurde ein Not-Kaiserschnitt, ohne jegliche Selbstbestimmung oder meinem Zutun. Eine Geburt die nicht nur eine Narbe an meinem Körper hinterlassen hat, sondern auch in meiner Seele. Wie sehr hätte ich mir gewünscht, nur einen kleinen Moment Zeit zu bekommen um das Vorgehen und die Notwendigkeit dieses Vorgehens zu Verstehen. Zu Verstehen, dass dieser Kaiserschnitt eine medizinische Notwendigkeit ist. Mich darauf vorzubereiten und meine Hände noch ein letztes Mal auf meinen Bauch zu legen, mit meinem Kind zu sprechen. Meinem ungeborenen Sohn zu sagen, wie sehr ich ihn liebe und er keine Angst haben muss auf dieser/seiner Reise, in eine völlig fremde Welt.

Rational betrachtet weiß ich, dass die Möglichkeit eines Kaiserschnitts ein Segen ist, und in unserem Fall medizinisch absolut Notwendig. Ich bin froh und unglaublich glücklich, dass es meinem Kind und mir gut geht. Und trotzdem war es ein gewaltvoller Eingriff in meinem Körper, mittlerweile über drei Jahre her und trotzdem noch so tief verankert in meinem Kopf und meinen Gefühlen.

Jeden Tag sehe ich die 14cm lange Narbe, die Mit der Zeit immer blasser wurde und kaum noch sichtbar ist. Ich habe oft gekämpft, geweint, einer Geburt nachgetrauert. Mittlerweile habe ich Frieden geschlossen und möchte allen Müttern, die ihr Kind per Kaiserschnitt zur Welt gebracht haben sagen, wie tapfer und mutig sie sind:

Wir lagen in einem Operationssaal, steril, kalt, lauter Geräte. Um uns ein Operationsteam das versucht die Situation mit ein paar Witzen und lockeren Sprüchen zu entspannen. Wir hatten Angst. Angst vor Schmerzen, vor dem Unbekannten, vor dieser großen Operation, welche  Schmerzen, Narben und Wunden bedeutet. Und trotzdem hatten wir diese Kraft in uns, eine unglaubliche Kraft die diese Gedanken nahezu wegschiebt. Die Platz macht für einen Mut, den wohl nur werdende Mütter so entwickeln können. Mütter, die so voller Liebe für das Kind in ihrem Bauch sind.

Nach dem Schneiden, dem Rütteln, Zerren und Reißen an unseren Körpern, warten wir auf den Schrei unseres Kindes und sind so voller Glück, als unser Kind ganz kurz auf unsere Brust gelegt wird. Ein ganz kurzer Moment, denn unser gerade geborenes Baby wird mit dem Papa ins Nebenzimmer und anschließend in den Kreissaal gebracht, während unsere Wunden genäht und versorgt werden. Nach einer gefühlten Ewigkeit dürfen wir endlich unser Kind in den Armen halten. Wir haben Schmerzen, können und dürfen nicht aufstehen. Der Bauch brennt, die Narbe schmerzt, die Haut drumherum fühlt sich großflächig völlig taub an. Aber das interessiert uns keine Sekunde, denn dieses kleine Wunder in unseren Armen war das alles wert.

Die Narben an unserem Körper sollten uns nicht daran erinnern, dass wir Versagt haben, denn das haben wir nicht! Vielmehr sollte sie uns jeden Tag daran erinnern, dass wir unglaublich mutig und stark waren obwohl wir ganz andere Pläne, Träume und Wünsche für die Geburt unseres Kindes hatten. Die Narbe sollte uns jeden einzelnen Tag daran erinnern, dass sie für unsere Kinder die „Tür“ in unser Leben ist.

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Wir sind wundervolle, starke, mutige und tapfere Frauen!
Es gibt keinen Grund sich schlecht zu fühlen – denn egal wie man seid Kind geboren hat, wir haben eines gemeinsam:

Wir alle haben unter Schmerzen und unendlicher Liebe unser Kind zur Welt gebracht!

 

 

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2 Comments

  • Reply
    Dörte
    Mai 4, 2016 at 8:12 am

    Hallo,
    ja, wir Mütter sind die eine Seite der Medallie und wie gut, dass es die Möglicheit des KS gibt und beide überleben können.
    Gleichzeitig ist ein KS auch ein heftiger Eingriff in die Autonomie des Kindes- von dem ja eigentlich der Geburtsvorgang eingeleitet wird. Diese Kränkung des Kindes wirkt häufig ein ganzes Leben lang nach und es gibt verschiedene Punkte, in denen diese Kinder mehr Unterstützung und Verständnis brauchen. Dazu fühlt sich sicherlich ein warmes, ruhiges Willkommen in der Welt anders an, als ein aus der sicheren Höhle hinausgerupft Werden und vorher meist noch Medikamente abbekommen zu haben…. Das alles habe ich nicht gewusst/bedacht, bis mein Kind 8 Jahre alt war. Vieles tut mir im Nachhinein leid, weil ich nie die Geburt mit bestimmten Situationen in seiner Entwicklung in Verbindung gebracht habe.

    Zum Glück gibt es mittlerweile einige Menschen, die sich mit den KS_Kindern beschäftigen und ich wünsche mir, dass sich dieses Wissen verbreitet und allen die Möglichkeit zurück gegeben wird, das warme, herzliche Willkommen in der Welt nachholen zu dürfen und die Kränkung der Autonomie gemildert/geheilt werden kann. Ich kann es nur empfehlen und bin dankbar zu sehen, wie sich mein Kind nach und nach das zurück holt, was es vemisst hat.

  • Reply
    EVCHEN
    Juni 2, 2016 at 8:43 pm

    Vielen Dank. Ich vermisse zwar auch nach zwei Kaiserschnitten kein „Geburtserlebnis“ aber es tut trotzdem sehr gut deinen Artikel zu lesen. Habe auch zwei Söhne im Januar 2013 und Juni 2015 geboren 😉 also erkenne ich unseren Alltag auch bei deinen anderen Posts ganz gut wieder.
    LG Evchen

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