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MiniundMami
LIFE

Meine Geschichte: „Der goldene Käfig!“

„Wo fange ich an zu erzählen und wo höre ich auf?“, seit Tagen stelle ich mir diese Fragen. Ich wollte das Vorhaben, mir alles von der Seele zu schreiben, aufgeben, schweigen und ich glaube, meine Eltern und auch viele meiner Freunde, oder soll ich sie doch lieber Bekannte nennen, hätten mir gerne den Mund verboten. Heute morgen bin ich mal wieder schweißgebadet aufgewacht, hatte furchtbare Träume und rannte erstmal ins Kinderzimmer um nach meinen beiden Kindern zu sehen! Alles ist gut! Gott sei dank! Ich weine vor Glück! Und dann frage ich mich, warum nicht alles gut sein sollte! ER ist ja schließlich weg und ja, in meiner Seele, bei meinen Kindern und in unserer kleinen Familie kehrt Ruhe ein!

2007 lernte ich meinen Mann kennen, bei einem Spaziergang durch den Stadtpark. Unsere Blicke trafen sich und mein Herz schien zu explodieren! Ein derartiges Gefühl, bei einem einfachen Blickkontakt hatte ich noch nie, und so war ich die, die einige Minuten später zurück in den Stadtpark rannte, in der Hoffnung, ihn noch zu finden. Da saß er, hoffte das gleiche, machte mir Komplimente, lud mich zum Essen ein und wir redeten die ganze Nacht. In den Morgenstunden brachte er mich nach Hause, war ein echter Gentleman und insgeheim wusste ich schon jetzt, dieser Mann ist die Liebe meines Lebens.

2 Jahre später kauften wir ein hübsches Haus am Stadtrand, und als wir den Kaufvertrag unterschrieben hatten und wir im Garten unseres, (omg, unseres Hauses standen!) kniete er nieder und fragte mich ob ich seine Frau werden wollte. Dies sei der Ort, an dem unsere Kinder aufwachsen sollen, die glücklich durch den Garten toben und spielen sollen, während wir mit einem Gläschen Wein auf der Terasse sitzen und den Grill anfeuern, Stockbrot grillen, Baumhäuser bauen, bei der Geburt jeder unserer Kinder einen Baum pflanzen und die besten, die glücklichsten und schönsten Jahre verbringen sollen. Könnt ihr euch vorstellen, wie glücklich ich war?

1 Jahr später kam unsere Tochter zur Welt, welches unbeschreibliche Glück wir fühlten, brauche ich euch nicht erzählen. Eltern kennen das! Gleichzeitig wurde mein Mann befördert, stieg in der Karriereleiter eine weitere Stufe nach oben und die Erhöhung seines Gehaltes, deckte meinen Lohn als Kosmetikerin voll ab. Geldsorgen gab es nicht, im Gegenteil, wir führten ein priviligiertes Leben. Hatten gute Freunde, ein tolles Netzwerk an Kontakten, Einsamkeit kannte ich nicht, ich fühlte mich wohl, in einem Leben, dass immer mehr zu seinem wurde. Seine Arbeit, sein Auto, sein Haus (schließlich zahlte er die monatlichen Raten), seine Freunde, seine Arbeitskollegen, sein Geld. Zu Beginn störte es mich nicht, ich war mit meiner Tochter beschäftigt, mein ganzer Alltag drehte sich um sie und ich war glücklich mich nicht damit beschäftigen zu müssen, wann ich wieder zu arbeiten beginne.

Mein Mann kam immer später nach Hause und es begann eine Zeit, in der meine Tochter und ich nur noch alleine am Tisch saßen. Teilweise sah er sie tagelang nicht, war ziemlich traurig deshalb, aber versicherte immer und immer wieder, dass er nicht früher aus der Firma herauskam. Seine Launen waren eine einzige Berg & Talfahrt, er war chronisch übermüdet, schon morgens beim aufstehen so schlecht gelaunt, dass man ihn einfach nur in Ruhe lassen konnte. Bei jedem Quietschen unserer Tochter wurde es schlimmer, er war völlig überfordert im Umgang mit unserer Maus. Umso älter sie wurde, desto schlimmer wurde es. Mit Wut-, Trotz-, oder Bockanfällen, als sie ca. 2 Jahre alt war, konnte er in keinster Weise umgehen. Er wurde immer genervter. So schickte er uns dann auch desöfteren mal alleine, oder mit seiner Mutter in den Urlaub. Damals war ich dankbar und blind vor Liebe, heute weiß ich das das eher aus Eigenutz entstanden ist. Sex hatten wir kaum noch, schließlich war er müde, hatte einen Anstrengenden Tag oder musste sich für den nächsten Tag vorbereiten.

Dann kam der Tag den ich nie in meinem Leben vergessen werde. Er kam nach Hause, früher als ich mit ihm gerechnet hatte und war richtig schlecht drauf. Irgendein wichtiger Termin oder Auftrag sei geplatzt und das alles weil unsere Tochter heute Nacht so geweint hätte. Er konnte kaum schlafen und hätte deshalb alles vermasselt. Er ging duschen, kam kurze Zeit später wieder und brüllte mich an, warum ich es immer noch nicht geschafft hätte, das Bad ordentlich zu putzen, die Glasscheibe der Dusche sei völlig verschmiert und voller Kalk – ich sollte mich schämen! Er ging ins Schlafzimmer um sich umzuziehen, als er wieder kam, machte er mir Vorwürfe, warum ich immer noch nicht, die 5 Hemden gebügelt hätte, die seit einer Woche im Schlafzimmer hängen würden, und wo verdammt das Essen sei, er hätte Hunger! Ich versuchte mit ihm zu reden, ihm zu erklären, dass ich dachte, er würde erst viel später kommen, aber ehe ich mich versah, packte er mich an den Haaren und zog mich in die Küche. Er knallte mich gegen die Küche und sagte: “ Hier ist dein Platz, du kleines Dummchen! Was anderes wie Kochen und Haushalt scheinst du nicht zu können! Du hast noch nichts in deinem Leben zu stande gebracht und wirst es auch nie zu etwas anderem bringen! Dumme Frauen, bekommen Kinder, dass ihre Blödheit nicht mehr auffällt!“

Mit diesen Worten, ging er und kam erst 2 Tage später zurück. Mit einem neuen Sportwagen fuhr er vor, stieg aus und holte einen riesigen Strauß weißer Rosen vom Beifahrersitz. Aus dem Kofferraum holte er ein Laufrad, dass er kurz darauf unserer Tochter vor die Füße stellte. Dann kam er zu mir in die Küche, entschuldigte sich, küsste mich zärtlich und bat mich um Vergebung. Er würde kürzer treten im Job um mehr Zeit für uns zu haben. Den Sportwagen habe er sich gekauft, um auch mal ein bisschen was für sich zu haben, und nicht nur für mich, unsere Tochter und die Raten fürs Haus zu arbeiten.

Er brach den Kontakt zu vielen unserer gemeinsamen Freunde ab, wollte sie nicht mehr zu uns einladen, schließlich braucht er am Wochenende seine Ruhe! Gleichzeitig fing er an, uns zu verbieten, dass wir auf den Spielplatz gehen, wir hätten schließlich den Garten voller Spielzeug, ich musste fragen wenn ich mich mit meinen Freundinnen treffe oder ein paar Tage zu meinen Eltern nach Österreich fahren möchte. Er grenzte uns völlig ab, die einzig wichtigen Personen waren sein Chef und seine Arbeitskollegen, die bei anfingen bei uns ein- und auszugehen wann immer sie Lust dazu hatten. Ich durfte die Männer bekochen, während sie über die besten Zigarren philosophierten und  flaschenweise den Wein im dreistelligen Bereich tranken.

Wenn er der Meinung war, dass Essen sei nicht gut genug für seine Gäste gewesen, fing er wieder an mir zu drohen, er würde mich rauschmeißen, mich vor die Tür setzen und ich könne selbst schauen wie ich mir mein Luxusleben finanziere. Hier sei kurz angemerkt, dass ich nie Ansprüche stellte, zu keinem Zeitpunkt. Er suchte mittlerweile meine Klamotten aus, entschied welches Auto wir fahren, wohin unser Familienurlaub ging. Meinen Eltern machte er teure Geschenke und alle fragten mich, warum ich immer so unglücklich drein schauen würde, schließlich hätte ich einen tollen Mann, eine wunderbare Tochter, ein schickes Haus und wirklich keinen Grund dazu, immer so ein furchtbar trauriges Gesicht zu ziehen. Ich versuche mit meiner Mutter darüber zu reden, die nur meinte: „Die Liebe verlangt eben manchmal auch Opfer, und sie hätte jetzt wirklich genug von dem Gejammer!“

Die Drohungen wurden immer schlimmer, und wurden zum Teil irgendwann sogar umgesetzt. Er nahm mir den Schlüssel für  das Haus weg, ich solle mich bei ihm abmelden, wenn ich irgendwo hin gehe. Er riss mir Haare aus, während er mich auf den Knien auf dem Eichenparkett entlang zog. Er erwähnte nebenbei, dass er nicht mehr mit mir schläft, weil ihm eine Hausfrau wie ich einfach nicht mehr anmachen würde, da kauft er sich den Sex lieber! Daran sei ganz alleine ich schuld und ich solle ihm bloß nicht mit Vorwürfen kommen.

Kein Kuss, keine liebevollen Berührungen, kein nettes Wort. Ich machte alles falsch. Konnte nichts richtig machen. Ich würde zu viel rumsitzen, unsere Tochter nicht anständig erziehen, unser Kind könne sich nicht benehmen, genau wie seine Mutter. Ich versuchte immer und immer mit ihm zu reden, flehte ihn an, er solle mir doch mal zuhören, aber das sah er gar nicht ein. Er sagte, aus meinem Mund käme nur Schrott, und es sei pure Zeitverschwendung mir auch nur länger wie ein Wort zuzuhören.

An einem Abend an dem er wieder unendlich viele Dinge fand, die ihn störten oder die ich nicht zu seiner Zufriedenheit erledigte, setzte er mich und meine Tochter vor die Tür. Es hatte -2°C und es war 2 Tage vor Weihnachten. Er wollte wieder seine Macht demonstrieren, mir zeigen, wer der Mann ist, wer uns ernährt und das Geld nach Hause bringt.

Barfuß liefen wir um 23 Uhr, mit unserem Schlafanzug über den kalten Kieselboden (meine Tochter hatte er mitten aus dem Schlaf gerissen), ich blickte mich nochmal um, sah ihn am Fenster stehen, er grinste und war sich ganz sicher, dass ich in spätestens 10 Meter umdrehen und zurückkommen würde. Aber das tat ich nicht. Ich klingelte ein paar Häuser weiter bei einer älteren Dame, die für mich eine alte Freundin anrief, und uns abholte.

Seit zwei Monaten wohnen meine Tochter und ich jetzt übergangsweise bei meiner Freundin. Ich hab im Moment kein eigenes Geld und habe eigentlich gar nichts. Aber wisst ihr was? Ich und meine Tochter finden gerade unser Lachen wieder! Und auch wenn uns noch ein weiter und schwerer Weg bevorsteht, bin ich froh die Schritte gemacht zu haben. Ich habe uns aus unserem goldenen Käfig befreit, jetzt müssen nur die Wunden an meiner Seele wieder heilen… Vor 4 Wochen kam meine zweite Tochter zur Welt. Ich hab die Schwangerschaft bis zum letzten Tag versteckt, und hätte niemals gedacht, dass er es tatsächlich nicht merken würde. Ich hatte Angst, die Überforderung würde noch schlimmer werden, wenn er von der neuen Schwangerschaft erfährt. Niemand, wirklich niemand kann verstehen, warum ich gegangen bin, meine Familie meint ich übertreibe und entziehe meinen Töchtern ihren liebevollen Vater… Warum nur, hat niemand gemerkt wie ER wirklich ist?

Er versucht jetzt natürlich uns zu ihm zurück zuholen. Er schlug im Krankenhaus auf, als er erfuhr, dass ich ein Kind geboren habe. Aber auch hier machte er mir wieder Vorwürfe, weil ich ihm nichts von der erneuten Schwangerschaft erzählt habe. Es war alles wie immer, in seinen Augen bin ich schuld. Schuld an allem!

Ich kann euch nur Mut machen, wenn ihr euch in einer ähnlichen Situation befindet, dann befreit euch, es wird nicht besser, im Gegenteil, es ist eine laufende Abwärtsspirale! Habt Mut! Sucht euch Hilfe! Geht!

Alles Liebe für euch!

Katharina!

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2 Comments

  • Reply
    Alexandra
    Februar 28, 2017 at 9:41 am

    mir Fehlen die Worte. Ich wünsche Dir und deinen Kindern ganz ganz viel Kraft. Vielen Dank für deine offenen Worte.

  • Reply
    Linktipps #13 - Meine Blogfunde im Februar - Mama geht online
    März 1, 2017 at 5:43 pm

    […] Mini und Mami beschreibt, werde ich echt wütend. Sie erzählt, wie sie in der Ehe von ihrem Mann geschlagen und erniedrigt wurde. […]

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