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Geschwister-Guide + 10 Tipps bei Streit unter Geschwistern

„Mamaaaaaa – der kleine Bruder macht mir schon wieder alles nach! Warum kann der sich nicht mal selbst was ausdenken!“ Gute Frage denke ich, und antworte mit: „Ich glaube, weil du sein großes Vorbild bist!“ Der große Sohn schaut mich gernervt an: „Und warum gerade ich?“

„Weil du der Große bist, weil er zu dir aufsieht, weil du alles schon so gut kannst! Du kannst tolle Legoautos bauen, du kannst prima malen und du bringst die schönsten Kinderlieder aus dem Kindergarten mit. Du kannst schon Fahrrad fahren, ohne Stützräder und ohne Hilfe. Du gehst in den Kindergarten und darfst alleine Brötchen holen gehen. Das alles kann er noch nicht und deshalb schaut er dir zu und bewundert dich. Für alles was du schon kannst, für deine Fähigkeiten und deinen Mut. Du bist für ihn einfach ein Held!“

Seine simple Antwort: „Okay, Mama – das ist cool!“

Die beiden streiten, streiten, streiten. Manchmal einen ganzen Tag – besonders an Schlecht-Wetter-Tagen. Sie ziehen sich an den Haaren, hauen sich Lego-Steine über den Kopf, ziehen sich an den Beinen über den Boden. Ganz ehrlich, manchmal kann ich kaum hinschauen. Es ist grausam! Ich selbst habe einen großen Bruder, allerdings 12 Jahre älter, und eine 4 Jahre jüngere Schwester. Auch bei uns flogen die Fetzen, aber so wie hier? Oder fühlt sich das für Mütter einfach nur schlimmer an?

Für uns ist das alles so leicht. Sollen sie sich doch einfach lieb haben, froh sein, dass sie sich haben. Für Kinder steckt da häufig sehr viel mehr dahinter. Fragen wie „Hat Mama mich genauso lieb wie meinen Bruder?“, oder aber „Warum kann mein Bruder immer alles besser?“ schwirren in ihren Köpfen umher. Da ist oft Eifersucht, ein bisschen Konkurrenzkampf im Spiel – und ja, manchmal auch ein kleiner Schrei nach Aufmerksamkeit.

Aber ganz egal, was der Grund dafür ist, für uns Eltern bedeutet das Stress, viele Nerven und auch Herzschmerz. Streit gibt’s  überall. Generell lässt es sich ja auch einfach mit niemanden besser streiten, wie mit Geschwistern, oder? Und ich bin sicher,  die Einzelkinder stimmen mir jetzt zu, ihr hättet sicher auch gerne einen von der selben Sippe gehabt, mit dem es sich gut streiten lässt, oder?!

Über die letzte Pommes auf dem Blech lässt es sich ganz prima streiten, oder wer das Zimmer aufräumen muss, überhaupt, wer es dreckig gemacht hat. Wer länger auf dem Spielzeugtraktor saß, oder wer das wirklich allerletzte Gute-Nacht-Küsschen von Papa bekommen hat. Und trotzdem sind da diese vielen Herzmomente, die mir immer wieder sagen, wie gut und richtig es war, dass wir zwei Jungs haben, und der große Sohn kein Einzelkind geblieben ist.  Es ist anstrengend, aber Momente wie heute, bringen wieder Gleichgewicht in unser Eltern-Herz. Heute, als der große Sohn beim Spaziergang Weltentdecker spielen, und sich gemeinsam über Stock & Stein und durchs höchste Gras kämpfen. „Bist du hinter mir, kleiner Bruder? Gibst du mir Rückendeckung!?“ Mutig stampft er hinter seinem großen Helden her: „Ja!“  Und ich lächle, und denke: Hoffentlich ein Leben lang!

Das das gelingt, liegt nicht nur an uns Eltern. Wir geben unser Bestes, aber jedes unserer Kinder hat einen eigenen Kopf, ein eigenes Herz, einen eigenen Charakter. Wir können vielleicht ein paar Fundamente setzen, aber ob aus Geschwistern auch wirklich beste Freunde werden, können wir als Eltern nicht erzwingen. Ich finde, das ist ein ganz wichtiger Punkt, der uns ganz viel Druck aus dieser Sache nimmt! Aber vielleicht hilft euch noch der ein oder andere Tipp, wie wir das so Handhaben. Dabei sei gesagt, auch wir versuchen einfach nur unser bestes. Manchmal sind wir ganz gut darin, an anderen Tagen ist da noch viel Verbesserungspotenzial nach oben.

Unsere Tipps gegen Geschwisterstreit

  • Wir versuchen unsere Jungs nicht zu vergleichen. Das tut man ganz automatisch, zusammen mit dem Partner, vielleicht abends gemütlich auf dem Sofa, bei einem Glas Wein. Aber wirklich wichtig ist, das niemals vor den Kindern zu machen. Sätze wie: „XY ist viel früher gelaufen!“, „YZ war schon immer viel lustiger!“ oder „Bei XC mussten wir uns nie so sehr um schulische Belange kümmern!“ sind Gift für jede gesunde Geschwisterbeziehung.
  • Jedem Kind, egal in welchem Alter, tut es gut ab und an mal Papa und/oder Mama nur für sich zu haben. Ob ein  Vormitag, Nachmittag, oder ein ganzer Tag, ich glaube das ist erstmal zweitrangig. Viel wichtiger, sich wirklich Zeit für das Kind zu nehmen. Dinge zu unternehmen, die dem Kind Freude machen. Schwimmbad, Kino, Spielplatz, Freizeitpark oder einfach ein gemeinsames Frühstück. Eis essen kommt auch immer gut! Wir versuchen alle 4-6 Wochen einen Nachmittag mit dem großen Sohn einzplanen. Der kleine Sohn wird im Moment noch zuhause betreut und er bekommt am Vormittag seine Aufmerksamkeit!
  • Ist es mal besonders schlimm, „jagen“ wir sie nach Draußen! Frische Luft macht den Kopf wieder frei, und wenn sie sich im Freien austoben können, sind sie überhaupt deutlich ausgeglichener! Dieser Punkt klappt nicht nur gut als Notlösung, sondern auch als Prävention.
  • Ablenken hilft auch ganz gut – am allerbesten wenn man es mit etwas humorvollen verbindet. Vielleicht sowas wie: „Oh nein, Schatz – ich hab meine Clownsnase verloren, bitte helft mir sie suchen!“ (Funktioniert nicht in alle Alterstufen, wobei man mit so einem Satz sicherlich auch bei Teenies zumindest für kurzfristige Ablenkung sorgt!)
  • Murmel- bzw. Belohnungglas anschaffen: Immer wenn die Geschwister besonders gut miteinander aufräumen, sich gegenseitig helfen und unterstützen, eine Murmel ins Glas geben. Wenn das Glas voll ist, gibt’s einen tollen und besonderen Ausflug als Familie.
  • Familienstammtische verbinden auch toll. Wenn alle Familienmitglieder gleichberechtigt mitbestimmen dürfen, wohin der nächste Jahresurlaub geht oder was am Wochenende geplant ist. Auch der Wochenplan bzgl. Essenswünschen kann hier prima besprochen werden. Hier ist diskutieren ausdrücklich erlaubt! Es wird erst aufgestanden, wenn alle Themen angesprochen sind und das Ergebniss für alle in Ordnung ist.
  • Abenteuergeschichten mit den Geschwistern als Hauptrollen erzählen
  • Überhaupt, ihnen die schönen Momente immer wieder zugänglich zu machen und erzählen. „Wisst ihr noch, wie ihr gemeinsam im Frühjahr das Gemüse gepflanzt und gesät habt? Das war toll, ihr habt euch beide super gekümmert und jetzt können wir es gemeinsam essen!“
  • Regeln aufstellen: Jedes Kind darf auch Spielzeug haben, was wirklich nur ihm gehört und bei dem das andere Kind fragen muss, wenn er es benutzen möchte.
  • Ein Zimmer teilen, scheint auf den ersten Blick zu mehr Streitsituationen zu führen. Aber langfristig, glaube ich, dass es zusammenschweißt. Sich abends nochmal unter die Bettdecke des anderen zu kuscheln und sich Geschichten zu erzählen. Die Atemzüge des Geschwisterkindes im Schlaf zu hören. Die Nähe des anderen spüren!

Das sind die Tipps & Tricks, die wir so auf Lager haben – sicherlich gibt es noch viel viel mehr. Erzählt mir gerne davon. Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen! Wie geht ihr mit Streitsituationen unter Geschwistern um?

Geschwister sind Teil des Lebens, der Kindheit, den Erinnerungen. Sie sind beständig und immer da, bewundern sich gegenseitig und lieben sich für das was sie sind. Weggefährten, aus dem gleichen Holz geschnitzt. Die gleiche Mischung, die gleichen Komponenten, nur anders propotioniert. Und das schönste: Sie haben ein Leben lang,  immer den gleichen Heimweg! Das ist ein Gefühl, dass sie für immer verbinden wird, auch wenn sie sich mal verlieren.

Ich schicke euch die allerliebsten Grüße

 

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1 Comment

  • Reply
    Anna
    August 2, 2017 at 6:44 pm

    Wirklich tolle Tipps. Ich finde es auch wichtig, dass es ein paar Teile gibt, die wirklich nur dem einen Kind gehören. Bei dem es auch mal- Nein – sagen kann 🙂 Das klappt bisher auch sehr gut.
    LG Anna

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